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Sibylle Springer: Der Körper der Bilder

11. März
1 Min. Lesezeit

Für den Katalog zu Sibylle Springers Ausstellung in der Kunsthalle Bremen habe ich drei Werkgruppen beschrieben, die alle um dieselbe Frage kreisen: Wie zeigen sich Frauen – und wie werden sie gezeigt?


In „Wait for it“ porträtiert Springer alternde Popikonen: Madonna, Britney Spears, Patti Smith, Nena, Mariah Carey, Nina Hagen, Björk. Das Silber auf der Leinwand oxidiert, Nähte sind aufgetrennt, die Bildoberfläche altert und wird brüchig – genau wie die Porträtierten, genau wie wir alle. Ich lese die Risse im Bild als Risse im Mythos einer Kultur, die Veränderung als Verlust empfindet.


„Feed“ überführt die Instagram-Selbstdarstellungen heutiger Künstlerinnen in inzwischen rund 40 Gemälde. Mich interessiert die Zwickmühle, die dabei sichtbar wird: Soziale Medien geben so viel Kontrolle über das eigene Bild wie nie – und zwingen zugleich dazu, schon beim Arbeiten mitzudenken, was „instagramable“ ist.


Und in ihren Textilarbeiten malt Springer mit Garn: Frida Kahlo, Artemisia Gentileschi, Hilma af Klint, Louise Bourgeois und Cindy Sherman sind eingestrickt. Wer die Kapuze aufzieht, verwandelt sich selbst symbolisch in eine Kunstikone – die empowernde Wirkung dieser Vorbilder wird nicht nur sinnbildlich, sondern körperlich spürbar.


Erschienen in: Sibylle Springer – Ferne Spiegel / Distant Mirrors, hg. u. a. von Jessica Fritz, DCV (Dr. Cantz'sche Verlagsgesellschaft), Berlin 2025.




 
 
 

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