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Wie viele Medien stecken im Bild?

11. Juni
1 Min. Lesezeit

Dick Higgins hat 1966 den Begriff „Intermedia“ geprägt – und damit ein Versprechen verbunden: Das Überwinden medialer Grenzen werde befreiend sein. Ich frage in diesem Text, ob generative KI dieses Versprechen einlöst. Auf den ersten Blick sieht es so aus: Fotografie, Malerei, Zeichnung fließen auf Prompt-Zuruf ineinander. Auf den zweiten aber nicht. Das Papst-in-Balenciaga-Bild kombiniert keine Medien, es imitiert eines – Streetwear-Fotografie. KI behandelt Medien als Stile („in the style of an oil painting“), und im latenten Raum sind Millionen Bilder längst zu numerischen Positionen geworden, ohne Grenzen, ohne Hierarchien, ohne Mediengeschichte. Für Higgins war entscheidend, dass man das „Inter“ sehen konnte: die Collage im Happening, den Widerstand der Materialien. Genau diese Reibung fehlt – kein Zufall, dass KI-Outputs so oft als glatt und unheimlich beschrieben werden. Mein Vorschlag: einen Intermedialitätsbegriff, der stärker auf Übersetzungen schaut. Vom Prompt zum Bild, vom Bild zum Video, vom Selfie zur bearbeiteten Plattformversion. Das Bild als Resultat einer Reihe medialer Transformationen, nicht als autonomes Werk.


Erschienen in: P.IN.E.A 001, S. 16–21 (deutsch/englisch). Hier geht's zur Publikation.



 
 
 

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